Erbkrankheiten

Neurologie

Über die Hälfte der ca. 30’000 menschlichen Gene werden für den Aufbau und die Funktion des Gehirns und Rückenmarks (Zentralnervensystem), der peripheren Nerven und natürlich der Muskeln gebraucht.

Es gibt zahlreiche vererbte Leiden, die entweder schon bei der Geburt, im Verlauf der Kindheit oder eben erst später im Erwachsenleben zu neurologischen Störungen führen können. Da sich viele dieser Krankheiten schleichend entwickeln, wird die klinisch-neurologische Diagnose oft erst im langjährigen Verlauf und nach Einsatz von zusätzlichen Diagnosetechniken (z. Bsp. bildgebende Verfahren, EMG, Muskelbiopsie etc.) korrekt gestellt.

Muskelkrankheiten

Erbliche Muskelerkrankungen können entweder klinisch oder eben molekular nach dem betroffenen Gen oder seinem Genprodukt (Protein) eingeteilt werden.
Bei den molekular charakterisierten Syndromen werden in unserem Labor folgende Muskelerkrankungen untersucht:

  • DNA-Repeaterkrankungen: myotone Dystrophien, oculopharyngeale Muskeldystrophie
  • Ionenkanalerkrankungen: Hypo- und hyperkaliämische periodische Paralysen
  • Torsions-Dystonie
  • Rhabdomyolyse
  • Muskelkrämpfe bei Myoadenylat-Deaminase-Mangel

Zur Analyse von Acetylcholin-Rezeptorstörungen, Dystrophinopathien (Muskeldystrophie Duchenne und Becker), Störungen des Glykogenmetabolismus, Störungen anderer (filamentöser oder struktureller) Muskelproteine sowie mitochondrialer Muskelerkrankungen leiten wir Proben an nationale oder internationale Referenzzentren weiter.

Neurodegenerative Erkrankungen

In dieser Gruppe von erblichen neurologischen Krankheiten werden Leiden aufgeführt, die zum Verlust von Zellen des zentralen Nervensystems führen. Je nach Art und Lokalisation der betroffenen Gewebe oder Zellen sind unterschiedliche neurologische Symptome zu erwarten. In unserem Labor bieten wir folgende molekulargenetische Diagnostik an:

Degenerative Hirnerkrankungen
  • Vaskuläre Gehirnerkrankungen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko, Demenz, Migräne: CADASIL (hereditäres Multiinfarkt-Demenz-Syndrom), M. Fabry.
  • DNA-Repeaterkrankungen mit choreatiformen Bewegungsstörungen und/oder Ataxie: Chorea Huntington und Huntington-disease like Krankheiten (DRPLA, HDL2), spinocerebelläre Ataxien, Friedreich Ataxie.
  • Pathologische Ablagerungen von Proteinen oder Stoffwechselprodukten: Prion-Proteinerkrankungen (variant Creutzfeld-Jacob-Disease, vCJD) und Pantothenat-Kinase-assoziierte Neurodegeneration (PKAN, Hallervorden-Spatz Syndrom).
Degenerative Rückenmarkserkrankungen

Erkrankungen der spinalen Motoneurone führen sekundär zum Verlust des innervierten Muskels. Aus diesem Grund werden solche erblichen Leiden als spinale Muskelatrophie bezeichnet.

  • Spinale Muskelatrophien (SMA) Typ 1-3 (Werdnig-Hofmann, intermediäre SMA, Kugelberg-Welander)
  • Bulbo-spinale Muskelatrophie Typ Kennedy (Repeat-Erkrankung)
Periphere Neuropathien

Hereditäre periphere Neuropathien sind eine Gruppe klinisch und genetisch heterogener Erkrankungen des peripheren Nerven.
Die hereditäre motorische und sensorische Neuropathie (HMSN), auch Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) genannt, ist die häufigste Form der hereditären Neuropathien. Anhand klinischer, elektrophysiologischer und histopathologischer Kriterien werden die CMT-Neuropathien weiter unterteilt. Anstelle der klinischen Kriterien wird zunehmend eine genetische Klassifikation verwendet, die auf dem jeweils betroffenen Gen basiert. Etwa 50% aller CMT-Erkrankungen sind auf Duplikationen des PMP22-Gens (CMT1A) zurückzuführen, alle anderen Gendefekte sind wesentlich seltener. Eine besondere Form der CMT ist die hereditäre demyelinisierende Neuropathie mit Neigung zu Druckparesen (HNPP oder tomakulöse Neuropathie), die wie CMT1A durch Mutationen im PMP22-Gen bedingt ist.
Bei den hereditären sensiblen Neuropathien ist die hereditäre sensorische Neuropathie Typ 1 (HSN1, vgl. auch CMT2) am häufigsten. Auch hier besteht eine ausgeprägte genetische Heterogenität.